
#Rezensionsexemplar
„Neu in Berlin“ von May Oakwood ist ein Jugendbuch, das uns mit der Protagonistin Charlie bekannt macht, die ein nicht ganz standartisiertes Leben führt. Charlie ist elf Jahre alt und passionierte Schlagzeugspielerin. Beim Spielen kann sie alle Probleme, Ängste und Sorgen vergessen, geht in der Musik auf und ist ganz sie selbst. Merkwürdig findet sie nur, dass andere Menschen sie deshalb für einen Jungen halten, spricht ja schließlich nichts dagegen, dass Mädchen Schlagzeug spielen. Leider muss Charlie wegen einem Umzug von Hannover nach Berlin nicht nur ihre Freunde aufgeben, sondern auch ihren Schlagzeuglehrer. Berlin gestaltet sich außerdem sehr schwierig: Ihre Eltern streiten sich häufiger, die Zicken in der neuen Schule machen ihr das Leben schwer, nicht einmal Lust ihr Schlagzeug zu spielen hat Charlie mehr. Und dann passiert sehr viel.
Uns hat das Buch, bis auf das Ende tatsächlich, sehr gut gefallen. Die Familienkonstellation ist sehr interessant, mit einem französischen Vater, der sehr entspannt als Lebenskünstler gilt und einer karriereorientierten Mutter, die lieber mit Vornamen angesprochen werden möchte, wächst Charlie mit zwei sehr unterschiedlichen Lebensstilen auf und die Kluft zur Mutter wächst durch den Umzug, verbessert sich allerdings im Laufe des Buches. Vor allem, da deutlich wird, welches Elternteil tatsächlich auch Charlies Wohl mitbedenkt und im Notfall immer auf ihrer Seite steht und sie unterstützt. Mit vielen Schwierigkeiten, die während der Geschichte auftauchen können sich Kinder und Jugendliche identifizieren, Trennung der Eltern, Unverständnis, Mobbing, Probleme neu zu sein. Gut ist, dass Charlie trotz einiger Zweifel einen eher selbstbewussten Charakter hat, den ihr Hund ( der im Mittelpunkt einer Nebenstory steht, dir einfach mal eingeworfen wurde, was ziemlich überraschend kam) und ihre Oma in Friesland gut unterstützen. Gerade bei ihrer Oma kann sie runterkommen. Schade ist nur, dass Oma und auch ihr Paps mit ihr vieles besprechen, was Kinder in dem Alter nicht unbedingt hören sollten, aber das ist im wahren Leben leider oft auch so. Gerade da brilliert dann Anja, Charlies Mutter sehr, da diese alles sehr kindgerecht, aber dennoch ehrlich auf den Tisch bringt.
Das Cover ist schön, die Geschichte sehr gut zum Selbstlesen geeignet, aber auch zum gemeinsamen Lesen, da einige Fragen und auch Gesprächsthema aufkommen werden, die man gleich gemeinsam besprechen kann.