Nicht jede Schwangere strahlt vor Glück/ anders schwanger sein

Ich kann es nicht mehr sehen. Diese dauerhaft grinsenden Schwangeren in der Werbung, die uns deutlich machen sollen, dass die Zeit der Schwangerschaft wunderschön ist, alles ist toll, rosa oder blau, himmelhochjauchzend. Der riesige Druck von außen, dass man sich doch bitte schön freuen soll und selig über den Bauch streicheln und nur noch über die Schwangerschaft und das zu erwartende Baby reden soll. Vielleicht gehört ihr zu denjenigen, die das auch alles so empfinden, die einfach nur überglücklich sind und die Welt nicht nur umarmen möchten, sondern sie vor allem an ihrem Glück teilhaben lassen. Die kleinen Wehwehchen sind alle nicht so schlimm, es wird fleißig das Babyzimmer eingerichtet, geshoppt und fotografiert. Jeder Gedanke gilt dem Baby, alles ist perfekt. Diese Schwangeren gibt es. Ich war in etwas abgeschwächter Form eine von ihnen in meiner ersten Schwangerschaft. Diese Art Schwangeren sind gesellschaftlich akzeptiert. Auch gewisse Stimmungsschwankungen werden akzeptiert, die Hormone sind Schuld.

Aber was ist, wenn man das Gegenteil von dem ist, was erwartet wird? Wenn man anstatt lieb und zufrieden, gemein, launisch und unzufrieden wird?

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Die lieben Hor(ror)mone

Okay, mal ganz ehrlich, das Bärchen wird bald sechs Monate alt und mit meinen Hormonen ist meiner (und der des Bärchenpapas) Meinung nach noch lange nicht alles in Ordnung.

Schon wie in der Schwangerschaft bringen mich traurige Nachrichten zum Weinen. Deswegen durften in den letzten Wochen mit Bauchbewohner keine Nachrichten mehr laufen, ich hab es einfach nicht ausgehalten, ständig total verheult zu sein, weil es auf dieser Welt viel zu viel Ungerechtigkeiten gibt. Ich – eine Heulsuse, ich konnte es selbst nicht glauben. Vor meinem Kaiserschnitt habe ich gar nicht mehr atmen können vor lauter Tränen, weil ich verzweifelt war und mir diese Art der Geburt einfach nicht vorstellen konnte. Dann nach der Geburt habe ich vor Glück geweint und am Tag darauf wieder vor Verzweiflung, weil das mit dem Stillen nicht geklappt hat. Eine liebe Hebamme im Krankenhaus sagte zu mir: „Als hier die Hormone an die Schwangeren verteilt wurden, hast du die für alle abgekriegt.“ Hmm. Was soll man da sagen. Der Schlafentzug und das Stillproblem (Ich hab dann schon im Stillzimmer übernachtet damit meine Zimmernachbarn auch etwas Schlaf finden konnten) sorgte für ständiges Weinen und eine unbändige Wut auf alles, ich war einfach überreizt.

Zuhause wurde es besser. Ich schaffte es zu schlafen und kann eines sagen: Etwas Schlaf hilft bei allem!

Nun ist es leider so, dass das Bärchen nun mal kein Baby ist, dass viel schläft und ruhig ist. Im Gegenteil. Aber was heißt leider, ich liebe das Bärchen so wie es ist, auch wenn sie mal wieder eine Stunde schreit ohne sich beruhigen zu lassen, was solls. Klar ist es anstrengend, aber einer Herausforderung sollte man sich immer selbstbewusst stelle und die Belohnung bekomme ich in jedem Lachen, Kichern oder Streicheln des Bärchens. Und jetzt kommen wieder meine Hormone ins Spiel. Mein Heulen, weil das Bärchen sich selbst drehe kann, meine Verzweiflung (und gleichzeitiges Glücksgefühl) weil sie immer größer wird, meine dummen Gedanken (irgendwann verlässt sie uns), meine Verwirrtheit und meine ständige Planlosigkeit. Ja, mein Kopf ist ein Sieb und ohne meinen Kalender wäre ich total aufgeschmissen. (Von wegen es gibt keine Stilldemenz!)

Und ich heue immer noch bei traurigen Nachrichten, aber manchmal laufen die Tränen nur noch leise, und ich fühle mich dann auch nicht mehr so verzweifelt. Alles wird immer etwas besser und klarer und hoffentlich bin ich bald wieder ein bisschen mehr wie früher (nicht mehr ganz so weich und nicht mehr ganz so Mädchen). Aber bis dahin müssen wohl immer Taschenbücher in meiner Nähe sein, was solls.