Nicht jede Schwangere strahlt vor Glück/ anders schwanger sein

Ich kann es nicht mehr sehen. Diese dauerhaft grinsenden Schwangeren in der Werbung, die uns deutlich machen sollen, dass die Zeit der Schwangerschaft wunderschön ist, alles ist toll, rosa oder blau, himmelhochjauchzend. Der riesige Druck von außen, dass man sich doch bitte schön freuen soll und selig über den Bauch streicheln und nur noch über die Schwangerschaft und das zu erwartende Baby reden soll. Vielleicht gehört ihr zu denjenigen, die das auch alles so empfinden, die einfach nur überglücklich sind und die Welt nicht nur umarmen möchten, sondern sie vor allem an ihrem Glück teilhaben lassen. Die kleinen Wehwehchen sind alle nicht so schlimm, es wird fleißig das Babyzimmer eingerichtet, geshoppt und fotografiert. Jeder Gedanke gilt dem Baby, alles ist perfekt. Diese Schwangeren gibt es. Ich war in etwas abgeschwächter Form eine von ihnen in meiner ersten Schwangerschaft. Diese Art Schwangeren sind gesellschaftlich akzeptiert. Auch gewisse Stimmungsschwankungen werden akzeptiert, die Hormone sind Schuld.

Aber was ist, wenn man das Gegenteil von dem ist, was erwartet wird? Wenn man anstatt lieb und zufrieden, gemein, launisch und unzufrieden wird?

Ich hab meine Schwangerschaften hier ja schon mal verglichen, allerdings habe ich vielleicht meine zweite Schwangerschaft sogar etwas beschönigt. Ich war dauernd gereizt. Auch weil ich nicht arbeiten konnte, war ich unausgeglichen. Mich hat einfach nur noch alles genervt. Wenn ich gefragt wurde, wie es mir geht, dann hätte ich am liebsten geschrien. Und so öfter ich komisch reagiert habe, umso häufiger wurde ich gefragt und umso genervter wurde ich. Ein Teufelskreis.

Mein Umfeld hatte es nicht leicht mit mir. Mit meiner Tochter hatte ich recht wenig Geduld, so sehr mir das im Nachhinein leid tut. Nach außen habe ich irgendwie versucht den Schein zu wahren. Nicht unbedingt erfolgreich, aber irgendwie. Aber sobald man die Tür ein bisschen geöffnet hat, war es vorbei. Im wahren Sinne.

Ich hatte große Probleme das Kinderzimmer einzurichten. Teilweise hat es mich nicht mal interessiert. Mein Vater traf die Entscheidung das Schlafzimmer zu verlagern und dort zwei kleine Schlafzimmer für die Kinder draus zu machen und unten ein gemeinsames Spielzimmer zu lassen. Ein Bekannter hat die Wand gezogen. Der Vater der Kinder hat gestrichen. Mir war das alles zuviel, sogar Tapeten aussuchen war schwierig. Theoretisch habe ich mich informiert. Aber es dann wirklich in die Tat umsetzen…. Schwierig.

Die Babysachen zu sortieren, die ich von vielen Freunden bekam und zu schauen, was noch gekauft werden muss, das hätte ich ohne meine Mutter und meine Tante gar nicht geschafft, ich war einfach nur überwältigt von der Menge, buchstäblich überrollt. Aussortieren, aufräumen, waschen, einsortieren, aufschreiben. Alles zu viel für mich.

Teilweise wurde ich richtig eklig zu anderen und es haben sich auch ein paar Leute von mir zurück gezogen, weil ich nur schwer zu ertragen war. Es gab Tage, da war ich wie erstarrt. Wie aus Eis, komplett unbeweglich. Es kam mir alles wie ein schlechter Film vor, in dem ich die Rolle spielte, die niemand mochte.

Zu meinem Baby hatte ich ein schlechtes Verhältnis. Es war in mir, aber irgendwie hab ich das ignoriert. Ich glaub auch, ich hätte bis zur Geburt nicht aufgehört zu arbeiten, hätte meine Ärztin es mir nicht verboten… Dann fraß mich mein schlechtes Gewissen beinahe auf. Obwohl ich bewiesener Maßen nicht Schuld daran war, suchte ich Gründe wann und wie ich mich falsch verhalten hatte. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, auf Arbeit alle im Stück gelassen zu haben.

Mein Bauch wuchs und sah auch tatsächlich nach Baby aus. Und ich wurde von Tag zu Tag genervter. Genervt vom Sodbrennen, von Rückenschmerzen, von Übelkeit, von Kurzatmigkeit, von dicken Füßen. Genervt vom Schwangersein. Ich fand mich furchtbar, ich fand die Welt furchtbar, ich fand alles furchtbar. Mit der Erkenntnis, dass es wieder ein Kaiserschnitt wird, wurde es noch schlimmer. Auf der einen Seite war ich erleichtert, da ich nun Klarheit hatte, auf der größeren Seite allerdings schwer enttäuscht. Von mir und vom Leben.

Und vor allem von der Schwangerschaft. Ich hatte mir das doch alles ganz anders vorgestellt. Wäre ich beim ersten Kind von einem Jungen begeistert gewesen, war ich jetzt nur enttäuscht, dass mein Gefühl mich schon wieder so getäuscht hatte. Und ich war von mir selbst enttäuscht, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genügte, von denen der anderen mal ganz zu schweigen. Enttäuscht auch, weil ich mich nicht freute, weil ich nicht unbeschwert und glücklich war, weil ich nicht ich selbst war. Weil ich dieses maulige, aggressive, Doofe, anmaßend und rücksichtslose Wesen im Spiegel nicht leiden konnte. Weil die Hormone aus mir etwas ganz fürchterliches gemacht haben.

Und weil absolut jeder seinen Senf dazu geben musste und mich niemand einfach mal in Ruhe lassen konnte, sodass alles einfach nur immer schlimmer wurde.

„Freust du dich nicht aufs Baby?“

„Ich wäre froh, wenn ich einfach mal zuhause sein könnte.“

„Du wolltest doch unbedingt noch ein Kind, warum bist du nicht glücklich.“

Bis vor kurzem dachte ich noch, dass ich damit relativ alleine war. Sieht man dich sonst nur glückliche Schwangere. Jetzt geht es einer Freundin von mir genauso. Und noch mehr Leuten, als ich begann mich darüber auszutauschen. Auch eine Schwangerschaft ist nicht immer Friede Freude Eierkuchen. Und so unterschiedlich die Babys und Kinder sind, so unterschiedlich sind auch die Schwangerschaften. Akzeptiert das. Bietet Hilfe an, seid verständnisvoll und fragt nicht immer wie es geht. Egal wie wunderschön oder katastrophal eine Schwangerschaft empfinden, wahrgenommen und erlebt wird: Jede Schwangere fühlt anders und sollte auch so akzeptiert werden.

Ich habe fast vier Wochen gebraucht um diesen Beitrag zu schreiben, weil es ein so schwieriges und persönliches Thema. Wie sind eure Erfahrungen? Wie habt ihr eure Schwangerschaft erlebt?

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