Veröffentlicht in Allgemein

Ein Brief an die Erzieherin meines Sohnes

Liebe Frau Meier,

Momentan sind Sie das liebste Wort meines Sohnes, sogar noch vor Kitty (der Katze) und Ball. Alles ist Meier und immer wird nach Ihnen gerufen. Wenn er auf dem Töpfchen fertig ist, dann heißt es „Meier“. Kommt er an etwas nicht ran:“Meier“. Ärgert ihn seine Schwester, möchte er etwas essen, ist ihm der Ball weg gerollt, kommt er kuscheln : immer „Meier“. Sogar von den anderen Erziehern höre ich immer, wie sehr er auf die bezogen ist und auch gerne mal an Ihnen klammert und nur auf Sie hört.

Mein Sohn liebt eine andere Frau, jetzt schon im zarten Alter von 19 Monaten: Er liebt Sie.

Am Anfang war das sehr schwierig für mich. Ich möchte doch viel lieber ein Mama hören. Gerade wenn man kuschelt, ist es schon sehr befremdlich, einen anderen Namen zu hören.

Aber mittlerweile hab ich es akzeptiert.

Sie sind jeden Wochentag für ihn da, schon seit über einem Jahr, mindestens sieben Stunden am Tag. Sie haben ihm die Flasche mit Muttermilch gegeben, ihn gewickelt, mit ihm Laufen geübt, ihn gekuschelt, ihn ins Bett gebracht, ihm gefüttert und mit ihm geübt alleine zu essen.

Was hab ich in der Woche schon großartig von meinem Kind. Morgens heißt es anziehen und los zur Kita. Dann hole ich ihn nachmittags ab, da ist sein Tag eigentlich schon gelaufen. Ein bisschen spazieren gehen, ein bisschen spielen, Abendbrot essen und maximal noch baden, dann geht er schon wieder ins Bett. Am Wochenende bleibt mehr Zeit, aber was sind schon zwei Tage im Gegensatz zu fünf.

Wissen Sie, warum ich das außerdem noch akzeptieren kann?

Weil ich Ihnen unendlich dankbar bin. Es war für mich nicht einfach, meinen kleinen Krümel mit noch nicht ganz sieben Monaten abgeben zu müssen. Stundenlang von dem Baby getrennt zu sein, das sonst 24/7 um mich herum war. Mich auf etwas anderes zu konzentrieren, als meinen kleinen Engel. Hunderte Male habe ich mich gefragt, ob ich das richtig mache, gezweifelt an mir, mich wie eine Rabenmutter gefühlt und auch unzählige Kommentare an den Kopf geworfen bekommen, die genau das aussagten.

Aber Sie haben mir von der ersten Minute an das Gefühl gegeben, dass alles in Ordnung ist. Sie haben meinen Kleinen jeden Morgen fröhlich in den Arm geschlossen und ihn geknuddelt. Ihre Arbeitszeit war so gelegt, dass sie fast immer bei ihm waren. Das ist nicht selbstverständlich. Sie haben sich an jedem Fortschritt ebenso erfreut, wie ich. Sie haben mich getröstet, wenn ich mal wieder komplett down war. Sie haben mir gesagt, wie toll es ist, dass ich immer frisch für ihn koche und mich immer informiert, was er mag und was nicht. Sie haben alle Beikostschritte mitgemacht, egal wie komisch ich manchmal war. Auch mit der Muttermilch, der Kühltasche und so weiter haben Sie problemlos hantiert.

Mein Sohn war immer schon ein kleiner Sonnenstrahl, aber wenn er Sie gesehen hat, dann hat er noch mehr gestrahlt. Sie haben es uns allen leichter gemacht, meiner Tochter, meinem Sohn und mir. Auf Sie konnte ich mich zu 100% verlassen. Ich wusste, dass alles was ich sage auch ernst genommen und so umgesetzt wird. Sie haben ihn im Kinderwagen geschoben, dafür gesorgt, dass er genug und in Ruhe schlafen konnte. Sie haben ihn beim Krabbeln angefeuert und seine Hand genommen, damit er seine ersten unsicheren Schritte machen konnte. Und als er dann richtig laufen konnte, da haben Sie sich fast so sehr gefreut, wie ich.

Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie sich immer auf ihn gefreut haben, mitgelitten haben, wenn er krank war, ihn auf den Arm genommen und mit ihm gekuschelt haben, obwohl Sie eigentlich Pause hatten. Dass Sie immer ein offenes Ohr haben und man Ihnen vertrauen kann. Dass Sie extra einen schönen Ball mitbringen, weil er Bälle so sehr mag und Sie ein schönes Foto fürs Portfolio machen wollen.

Ich weiß gar nicht, wie es nächstes Jahr im Sommer werden soll, wenn er von der Krippe in den Kindergarten wechselt. Aber er sieht sie ja dann trotzdem noch. Und abgesehen von seiner Mama werden Sie immer seine erste Liebe sein. ♥

Frau Meier, ich bin Ihnen dankbar, dass mein Sohn für Sie immer mehr war, als ein Job. Dass Sie ihn lieb haben. Und er Sie. Danke.

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