Veröffentlicht in Wir denken...

Mein Geburtstag im Krankenhaus

Da es schon ein paar Nachfragen gab, möchte ich euch heute erzählen, warum ich meinen Geburtstag mit meiner Tochter im Krankenhaus verbringen musste und sehr viele sehr bittere Tränen geweint habe. Und warum man manchmal unbedingt auf sein Bauchgefühl hören muss.

Zwei Tage vor meinem Geburtstag kam das Bärchen morgens aus ihrem Zimmer runter und sagte, dass sie sich am Daumen weh getan hat. Er war auch etwas rot und dick, wir haben gleich gekühlt und da er abends schon wieder schmaler war, hab ich mir gedacht, dass sie sich ihn nur ein bisschen eingequetscht hat.

Am nächsten Nachmittag schwoll der Daumen der Tochter plötzlich an und es trat Eiter beim Nagel aus. Okay, also ab zum Krankenhaus, denn Ärzte hatten nicht auf. Sowas passiert uns prinzipiell immer am Mittwochnachmittag. Wir saßen dann dort knapp zwei Stunden in der Notaufnahme. Mittlerweile war ich der festen Überzeugung, wegen einer Kleinigkeit überreagiert zu haben und das Ganze war mir total unangenehm. Als wir dann aufgerufen wurden, war es 21:00 Uhr. Die Ärztin schaute sich den Daumen an und erklärte uns, dass das eine Nagelbettentzündung ist, sie muss einen kleinen Schnitt machen um den Eiter abzulassen. Das Bärchen war davon gar nicht begeistert, hat aber trotzdem gut mitgemacht und sogar eine Urkunde für ihre Tapferkeit und ein paar Gummibärchen erhalten. Diese hat sie am nächsten Tag überall rumgezeigt. Mir wurde auch gleich gesagt, dass es richtig war ins Krankenhaus zu kommen und ich beruhigte mich. Mit einem schönen Verband und der Anweisung morgen zum Kinderarzt zu gehen, ging es nach Hause. Das Bärchen schlief sehr aufgewühlt bei mir.

Am nächsten Tag hatte ich dann Geburtstag. Das Bärchen kam mit mir zur Arbeit, ich hatte einfach schon zu viele Krankentage und den Termin beim Kinderarzt hatten wir am Nachmittag. Auf mich warteten im Büro ganz tolle Geschenke.

Zuhause machte das Bärchen einen Mittagsschlaf, den ersten seit unglaublich langer Zeit. Sie hatte kein Fieber. War einfach nur schlapp und wollte auch nicht wirklich was essen.

Die Bilder habe ich mittags gemacht, als ich mich noch auf das Essen am Abend beim Inder freute und der Tag einfach wundervoll war. Dann gingen wir zum Kinderarzt. Diese machte den Verband auf und schickte uns sofort zum Chirurgen. Es müsste wohl noch mal aufgeschnitten werden. Der Chirurg hatte zu. Also wieder ab ins Krankenhaus. Dort die Überweisung abgegeben und es hieß warten. Das Bärchen malte sehr entspannt und schon ein bisschen routiniert Bilder am Maltisch aus.

Wir waren relativ schnell dran, trotzdem war es schon gegen acht Uhr. Zum Glück hatte ich das Essen abgesagt. Der Arzt warf einen Blick auf den Daumen und holte dann den Chefarzt und noch jemanden. Alle warfen sich einen wissenden Blick zu und ich muss geschaut haben wie die Kuh auf dem Eis, als es plötzlich hieß, dass das Bärchen operiert wird. Sofort. Ich war komplett verwirrt und irritiert als alle von Betäubung, Vollnarkose, Problematiken und so weiter sprachen. Der Anästhesist kam mit vielen Fragen und ich musste viel unterschreiben. Menschen schwirrten um uns herum, das Bärchen drückte sich nervös an mich. Eh ich mich versah, waren wir auf der Kinderstation, bekamen ein Zimmer zugewiesen, das Bärchen ein OP-Hemd an und dann standen wir erstmal im falschen Vorbereitungsraum rum. Als wir den richtigen gefunden hatten, wurde mir gesagt, dass doch nur ambulant betäubt wird und das Bärchen jetzt etwas zur Beruhigung und einen Zugang bekommt. Dann zeigte die Ärztin dem Bärchen einen Film auf dem Handy und ich schaute einfach mit, bis mir die Gesten der anderen auffielen, die mir deuteten, jetzt zu gehen. Ich sollte gleich nach der OP in den Aufwachraum geholt werden und jetzt zurück zur Kinderstation, die Ärztin dort hatte noch einige Fragen. Allerdings bin ich dann zuerst kurz raus, um den Vater des Bärchens zu informieren, warum wir nicht schon zuhause sind, im Krankenhaus ist nirgendwo Empfang gewesen. Dann bin ich wieder hoch in die Kinderstation, hab mein Bett bezogen und mit der Ärztin die Formulare ausgefüllt. Ich musste ihr dann erstmal erklären, dass eine Regulationsstörung auch durchaus über das dritte Lebensjahr hinausgehen kann. Naja. Dann wartete ich. Mir wurde gesagt, dass die OP nur circa 15 Minuten dauert, deswegen bin ich nicht nach Hause gefahren, um unsere Sachen zu holen, sondern habe gewartet. Nach 1,5 Stunden konnte ich zum Bärchen. Dort wurde mir mitgeteilt, dass der Nagel entfernt werden musste, aber alles gut verlaufen ist. Ich habe noch circa 30 Minuten mit der Anästhesistin gesprochen, sie durfte erst schlafen gehen (24 Stunden Schicht) wenn das Bärchen stabil war und der Tropf durchgelaufen. Dann brachten wir sie in ihr Zimmer und meine Kleine schlief selig. Kurz vor Mitternacht bezahlte ich dann das Ticket vom Parkplatz, fuhr nachhause, packte die notwendigen Sachen ein und wurde wieder ins Krankenhaus gefahren.

Die nächsten drei Tage verbrachten wir im Krankenhaus, ohne wirklichen Empfang und ohne Internet. Dem Bärchen ging es jeden Tag besser, sie bekam ihr Antibiotika, allerdings hatte die Entzündung dann auch noch zu einer ansteckenden Bindehautentzündung geführt, weswegen Besuch schwierig war und raus aus dem Zimmer durfte sie auch nicht. Und das bei strahlendem Sonnenschein und Blick auf den Spielplatz des Krankenhauses. Aber alle waren furchtbar nett zu uns, ich traf sogar Bekannte auf dem Flur. Die Schwestern waren großartig, das Bärchen hatte kaum Schmerzen. Außer bei der Antibiotikagabe, erst der Assistenzarzt, der ein bisschen vorspülte, schaffte es, dass es ihr nicht weh tat. Wir haben uns dann am Sonntag entlassen, der Kinderarzt gab sein okay, der Chirurg konnte nicht, da er den ganzen Tag im OP stand, aber es war in Ordnung. Der ambulante Chirug am nächsten Tag wechselte den Verband, machte nur noch ein Pflaster drauf und alles war schick.

Warum nun aber, wenn etwas so gut verheilt, die ganzen Tage Antibiotika und diese Not-OP? An meinem Geburtstag hab ich es nicht verstanden, aber am nächsten Tag wurde es mir bei der Visite gesagt: Das Bärchen hatte eine beginnende Blutvergiftung. Wäre sie nicht operiert und behandelt worden, hätte sie den nächsten Tag wahrscheinlich nicht überlebt. Mein kleines Mädchen. Ich war schockiert und entsetzt. Und mir wurde klar, dass wir tatsächlich ein Notfall waren. Deswegen : Sobald ihr euch unsicher seid, geht mit euren Kindern zum Arzt. Euer Bauchgefühl wird euch nicht im Stich lassen.

Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen, dass es dem Bärchen wieder hervorragend geht, der Nagel wächst gut nach und wir sind alle der Ansicht, dass er viel viel schöner ist, als der alte. Im Krankenhaus haben wir sie sogar das erste Mal lackiert, obwohl ich eigentlich dagegen bin, aber sie hat es so glücklich gemacht. Und der kleine Sohn hat sich so gefreut, als wir endlich wieder zuhause waren ♥. Seit dem Krankenhaus hat das Bärchen übrigens auf der einen Seite den großen Wunsch Ärztin zu werden, auf der anderen Seite große Angst vor Ärzten. Ich hoffe, dass die Zeit da einige Wunden heilen wird.

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