Rabenmutter, Arbeitstier oder überfordert ? Vorurteile bei frühem Kitastart

Ein ganz hoher Streitpunkt bei Eltern ist ja die Betreuung der Kinder. Genau wie bei vielen anderen Themen, wie beispielsweise Stillen, Frühförderung, Beikost und Erziehung bekommt man hier tausend verschiedene Meinungen. Und selbstverständlich hat jeder Recht. Nun kann ja von mir aus jeder seine eigene Meinung haben. Aber vielleicht möchte ich diese nicht immer hören.


Tatsächlich ist es nämlich so, dass ich mir in den vergangenen sechs Monaten ständig anhören durfte:

„ob dass nicht viel zu früh ist“

„das arme Baby“

„Ich könnte das ja nicht“

„so wichtig kann die Arbeit jawohl nicht sein“

„Warum man denn ein Kind bekommt nur um es wieder abzuschieben“

Ganz ehrlich Leute, denkt ihr auch mal nach? Einige dieser Sätze wurden mir ins Gesicht gesagt, einige hinter meinem Rücken geflüstert. Schön ist anders.

Das Bärchen ist damals mit acht Monaten in die Krippe gegangen, das Baby schon mit sechs Monaten. In beiden Fällen war es einfach nicht anders möglich. Finanziell konnte ich es mir einfach nicht länger leisten zuhause zu bleiben, soviel ist Elterngeld nun mal nicht. Dazu kam der Druck bei befristeten Arbeitsverträgen und auch die Angst arbeitslos zu werden. Gerade jetzt beim Baby war alleinerziehend der finanzielle Druck mit meinem Haus zu groß.

Am meisten hasse ich es, wenn mir deswegen Egoismus vorgeworfen wird. Vielleicht wäre ich gerne etwas länger zuhause geblieben, hätte in Ruhe einen Babykurs gemacht, wäre vielleicht zum Babyschwimmen gegangen und hätte mehr individuelle Zeit mit meinem Baby gehabt. Wenn ich ehrlich bin, wäre es auch leichter gewesen. Ich hätte immer stillen können, wenn das Baby Hunger gehabt hätte. Den Babybrei hätte ich jeden Tag frisch kochen können und gleich noch etwas leckeres für das Bärchen abends gehabt. Wenn das Baby seinen Mittagsschlaf gemacht hätte, hätte ich vielleicht auch mal Zeit für den Haushalt gehabt. Wahrscheinlich hätte ich mich irgendwann ein bisschen gelangweilt, aber definitiv wäre es hier ordentlicher und einfacher. (wir lassen jetzt mal ganz außen vor, dass ich mir jeden Monat hätte Geld leihen müssen, nur um über die Runden zu kommen)

Stattdessen bin ich jeden Morgen um vier aufgestanden, um erst in Ruhe noch ein bisschen Milch abzupumpen, dann zu duschen, dann das Baby und das Bärchen anzuziehen, das Baby zu stillen, die Milch fürs Baby einzupacken, beide in die Kita zu bringen, dann zur Arbeit zu fahren, dort alle zwei bis drei Stunden Milch abzupumpen, zu arbeiten, dann um halb drei die beiden Kinder wieder abzuholen, das Baby zu stillen, auf den Spielplatz zu gehen um das Bärchen noch powern zu lassen, das Baby stillen und ins Bett bringen, den Brei kochen und einfrieren für den nächsten Tag oder aufzutauen. Dann bis circa 23:00 Uhr versuchen das Bärchen ins Bett zu bekommen und vielleicht mal nebenbei abzuwaschen oder zu saugen. Das ist und war kein Spaß.

Vor allem das Abpumpen war Stress pur. Immer versuchen auf die richtige Menge zu kommen, dann das Pumpen im Büro und oft das Problem, dass die Brust fast platzt, das Gespräch aber nicht unterbrochen werden kann. Oder mit der Milch inmitten einer Klasse stehen, die überraschend im Raum mit dem Kühlschrank Unterricht haben. Oder auf dem Flur stolpern und weinend die Milch und die kaputte Flasche wegzuwischen, wissend, dass man jetzt wieder eine der kostbaren eingefrorenen Milchbeuteln auftauen muss. Angst vor Terminen außerhalb, weil man nie weiß, ob man da zum Abpumpen kommt. Auf Weiterbildung im Auto abpumpen, weil sich außer der Toilette kein Raum finden ließ, der etwas Privatsphäre sicher gestellt hätte. Dabei wird mir immer die Geschichte im Kopf bleiben, als ich ein sehr langes Gespräch mit einer Auszubildenden hatten, die ich bat kurz draußen zu warten, damit ich abpumpen kann, aber die darauf bestand dabeizubleiben, es stört sie nicht, da das ja mit den Kühen genau so ist.

Ich hätte auch einfach Milchpulver mit in die Krippe geben können und fertige Gläschen, aber mir war und ist es einfach wichtig, das beste für das Baby zu tun. Dazu gehört für mich einfach Muttermilch und selbstgekochtes Essen, sowohl Mittagsbrei, als auch Getreidebrei. Tatsächlich habe ich keinen Obstbrei eingekocht sondern auf Bioquetschies zurück gegriffen und frisches Obst, wie Banane.

Viele sagen auch, dass man das Kind nicht zu früh fremdbetreuen lassen soll, weil das für die Bindung nicht gut ist. Die Erfahrung kann ich nicht teilen. Meine Kinder und ich haben eine tolle Bindung, wir lieben uns sehr und sie werden auch nicht fremdbetreut, denn wir kennen die Erzieher der Kinder. Das Baby liebt seine Erzieherin sehr. Wenn er sie sieht, fängt er sofort an zu strahlen und kuschelt mit ihr. Auch mit den anderen Erzieherinnen, er ist halt ein absolutes Strahlekind und genau wie das Bärchen damals, genießt er die viele Aufmerksamkeit von allen Seiten. Die Kinder prügeln sich regelrecht darum, mit dem Baby spielen zu dürfen und er ist offen vielem Neuen gegenüber und fremdelt auch fast gar nicht. Und selbstverständlich weiß er ganz genau, wer seine Mama ist.

Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung schreiben. Meine beiden Kinder sind durch einen frühen Krippenstart nicht geschädigt worden. Nach acht Wochen Mutterschutz wieder arbeiten zu gehen wäre für mich unvorstellbar und schrecklich, aber auch hier dürfen wir die Mütter keinesfalls verurteilen, denn wir kennen die Geschichte dahinter nicht und sollten respektvoll mit diesen Müttern umgehen. Es gibt sogar Vorteile, wenn Babys schon in die Krippe gehen: Sie fremdeln nicht so stark und sind sehr offen und aufgeschlossen gegenüber Neuem. Sie lernen früh und schnell, dass man Rücksicht nehmen muss und haben soziale Kontakte, die ihnen helfen, ihre sozialen und kognitiven Fähigkeiten früh auszuprägen. Außerdem wird die Zeit mit ihnen kostbarer.

Im Endeffekt ist es aber so, dass jeder seine eigenen Entscheidungen treffen muss und niemand dafür verurteilt werden soll. Gerade Eltern (und hier insbesondere Mütter) müssen aufhören, gegenseitig ihre Entscheidungen zu hinterfragen und schlecht zu machen, letztendlich möchte jeder doch nur das Beste für sein Kind. Dieses zu akzeptieren und Entschlüsse zu respektieren ist ein Muss und kein Kann! Nieder mit der Stutenbissigkeit und dem ständigen Vergleichen!!!

Ein halbes Jahr Babybärchen

Mein kleines Baby ist jetzt schon sechs Monate alt und unglaublich niedlich! In der Krippe fühlt er sich pudelwohl und auch so ist er ein richtiges Strahlekind. Er lacht jeden an und liebt es, mit Menschen in Kontakt zu treten, gerade mit Kindern. Hier seht ihr sein momentanes Lieblingsspielzeug:

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Vierter und letzter Tag der Eingewöhnung

Hallo! Entschuldigt, das Bärchen und ich waren gestern auf einer Halloweenparty und als wir abends endlich zuhause waren, sind wir beide ins Bett gefallen. Gestern hatten wir dann also den letzten Tag der Eingewöhnung. Zusammen mit dem Bärchenpapa sind wir zu halb neun hin, haben das Bärchen abgegeben und die Reservesachen einsortiert. Was wir mit hingegeben haben?

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Tag 3 der Eingewöhnung

Ohne große Einleitung:

Gut:

  • Windeln, Cremes, Feuchttücher und Ordner mit Bild des Bärchens in die Kita gebracht
  • das Bärchen abgegeben ohne zu Weinen
  • Zeit ohne Bärchen sinnvoll genutzt (Reisebüro und Kaffee)
  • Bärchen hat Stunde ohne mich sehr gut überstanden
  • Bärchen war danach total kuschelig

Nicht ganz so gut:

  • Erzieherin des Bärchens war nicht da (Sohn krank)
  • mulmiges Gefühl mit irrationalen Gedanken ohne das Bärchen
  • Bärchen fing an zu weinen als sie mich sah und ihr bewusst wurde, dass ich weg war
  • Fach des Bärchens viel zu klein (sie muss es sich teilen)
  • wurde von der Erzieherin gebeten Spielzeug fürs Bärchen mitzugeben, da für sie nicht wirklich was da ist
  • Anruf der Erzieherin, Magen-Darm in der Gruppe ausgebrochen, Bärchen bleibt morgen zuhause und Montag auch, da wir Termine haben, doof solange mit der Eingewöhnung auszusetzen, aber besser als Kind mit Magen-Darm
  • Vorschlag, Laufgitter für das Bärchen in die Kita mitzugeben wurde abgeleht, da zu wenig Platz

Ziele für Dienstag:

  • Spielzeug zusammensuchen
  • Wechselsachen raussortieren
  • mit Erzieherin über zu kleines Fach sprechen
  • Collage fertig stellen (Bilder von Eltern, Verwandten des Bärchens damit sie es sich in der Kita angucken kann)

Ja, das Aussetzen ist jetzt doof und macht mir auch Gedanken, aber Montag ist unser letztes Mal im Stillcafe, nächsten Donnerstag das letzte Mal in der Krabelgruppe (werden aber danach zur Kita) und Freitag Feiertag. Es ist eben wie es ist. Ich hoffe jetzt nur, dass das Bärchen sich nichts eingefangen hat. Sie ist in der Kita wirklich glücklich zwischen all den Kindern und das macht mich sehr froh. Es ist eben doch schwerer für die Mütter als für die KInder, oder?

Tag 1der Eingewöhnung

So, vielleicht auch um es für mich noch mal klarer zu haben, aber auch um euch an unserer Eingewöhnung in die Krippe teilhaben zu lassen, werde ich die Tage zusammenfassen und dabei gute und nicht ganz so gute Dinge filtern.

Heute waren das Bärchen eine Stunde in ihrer Gruppe. Dort sind zwei Erzieher auf ca. 12 Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren. Wir saßen heute einfach nur in der Kuschelecke und haben uns ein bisschen mit der Erzieherin unterhalten.

Gut:

  • das Bärchen ist die Jüngste und die Einzige unter einem Jahr, bekommt also so sehr viel Aufmerksamkeit
  • die Erzieherin ist jung aber erfahren
  • die Erzieherin lässt sich von den Kindern duzen und mit Vornamen ansprechen
  • das Bärchen hat gleich ein eigenes Fach bekommen
  • dem Bärchen hat es sehr viel Spaß gemacht die Kinder zu beobachten
  • die anderen Kinder schienen das Bärchen zu mögen
  • das Bärchen ließ sich bereitwillig von der Erzieherin auf den Arm nehmen

Nicht ganz so gut:

  • morgens zu lange rumgetrödelt und prompt zu spät gekommen
  • die Kleinen sind natürlich noch sehr unbeholfen, eines ist prompt auf das Bärchen gefallen
  • es gibt überraschend wenig Spielzeug für die Altersstufe des Bärchens
  • das Bärchen wollte immer sofort wieder zu mir zurück (und leider gefiel mir das etwas zu sehr)
  • die andere Erzieherin ist mir nicht so sympathisch
  • man muss vieles selbst mitbringen, so wie Fotos für das Regal, Hefter, das bin ich so nicht gewohnt, aber nicht schlimm
  • ich hab wieder ein bisschen geweint

Ziele für morgen:

  • pünklich sein
  • nicht zu sehr aufs Bärchen konzentrieren, mehr die Interaktion der Kinder beobachten
  • Fragebögen ausfüllen
  • mich immer wieder daran erinnern, welche Vorteile ein früher Kita-Start hat
  • Sachen für Kita am Nachmittag einkaufen

Das Abenteuer Kita beginnt…

Ich fang ja am 01.01.2015 meinen neuen Job an, ich hatte ein Vorstellungsgespräch, das super lief und dann gleich die Zusage. Es ist ein schöner Job und ich freue mich darauf, auch wenn gerade kurzfristig Probleme mit der Finanzierung aufgetreten sind, die aber bestimmt geklärt werden. Darauf war ich vorbereitet, das Bärchen wäre neun Monate alt, bis auf die erste Mahlzeit am Tag wären alle ersetzt, es wäre perfekt.

Aber was ist schon perfekt.

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