Veröffentlicht in Wir denken...

Hilfe, ich hab ein Papakind

Das erste Wort meiner beiden Kinder war Papa. Das hat mich damals schon sehr naja, nicht gekränkt, aber auch nicht unbedingt gefreut.

Aber deutlich schlimmer war es vor ein paar Wochen, als ich alleine mit den beiden Kindern auf dem Spielplatz war und der zweijährige Sohn sich plötzlich auf den Boden fallen ließ und lauthals brüllte :“Nein Mama!“ „Aua Mama!“ „Papa, Papa, Papa“ Kann sich jemand die Blicke der anderen Eltern vorstellen? Vor allem, als er auch nicht aufhörte, als ich ihn auf den Arm nahm und trösten wollte. Es wurde sogar noch schlimmer, sodass wir dann erstmal gegangen sind. Und seitdem Sonntags diesen Spielplatz auch nicht mehr besuchen.

Das ist leider in den letzten Monaten nicht das einzige Mal gewesen. Meine Tochter ist schon immer eher ein Mamakind, aber Fremdelphasen zu ihrem Vater hatte sie nie. Anders der Sohn.

Mama ist für ihn ziemlich irrelevant. Meine Anwesenheit wird akzeptiert, aber mehr auch nicht. Es gab Tage, an denen mir einfach nur das Herz brach, wenn er nicht kuscheln wollte, sich nicht von mir hat anziehen, wickeln oder ins Bett bringen lassen. Inklusive Schreien und Hauen. Und mit verzweifelten Blicken in Richtung Tür oder Papa sah.

Ich mein, er ist mein kleines Baby, auch wenn mein Babybärchen schon zwei Jahre alt ist. Aber ich habe ihn gestillt, ihn beruhigt, gefüttert, gebadet, gekuschelt, war immer für ihn da. Und nun?

Längere Zeit konnte ich ihn nicht mal ins Bett bringen, nur Papa war gewollt und einmal hab ich es trotzdem gemacht. Gerade Abends mag ich das eigentlich sehr gerne, das Kitzeln, Vorlesen, Tonie Aussuchen, das Singen. An diesem Abend hat der Kleine dann so sehr geschrien, dass er schon blau wurde und als der Papa endlich hoch kam, haben der Kleine und ich beide verzweifelt geweint.

Ich liebe meinen Sohn so sehr und zu respektieren und auch zu akzeptieren, dass er gerade seinen Papa mir vorzieht, das ist schwer. Sehr schwer.

Auch andere sind immer sehr überrascht, wenn mein Sohn nach seinem Papa ruft und nicht nach mir, seiner Mama. Beim Zahnarzt muss er auf den Schoß des Papas, anscheinend in dieser Praxis das erste Mal. Wenn das Babybärchen hinfällt, dann muss Papa ihm helfen und trösten. Nicht Mamas Schoß, nicht Mamas Hand, nicht Mamas Hilfe, nicht Mamas Stimme. Es muss Papas sein. Immer und überall.

Klar sagt man sich immer, dass es nur eine Phase ist, aber diese Phase zieht sich mittlerweile schon über ein halbes Jahr. Ist der Papa nicht da und hat er ihn vorher auch nicht gesehen, dann geht es einigermaßen. Ist er da und geht, sind das Gebrüll und die Tränen verprogrammiert. Wahre Verzweiflung kann ich dann im Gesicht und Handeln meines Sohnes sehen.

Aber ich freue mich, dass mein Sohn ein so schönes Verhältnis zu seinem Papa hat. Und ja, manchmal ist es auch ganz praktisch, wenn von Vorneherein klar ist, dass bestimmte Aufgaben dem Papa zufallen. Und im Endeffekt wird sich auch immer wieder etwas verändern. Gestern konnte ich den Kleinen mit einem Lächeln auf beiden Gesichtern ins Bett bringen. Und einem Kuss.

Es wird.

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