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Die Hundegeschichten meines Lebens und warum wir trotzdem Freddy haben

Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Meine Eltern haben Hunde gezüchtet, Neufundländer und Deutsche Schäferhunde. Auch mein Opa hat in der DDR schon Schäferhunde gezüchtet und wir alle waren sehr erfolgreich. Unsere Hunde sind auf vielen Ausstellungen gelaufen, auch auf bundesweiten. Als Kind habe ich das geliebt. Jeden Sonntag Hundeplatz, mit ganz vielen anderen Menschen und Hunden, die gemeinsam Unterordnung (Sitz, Platz, bei Fuß usw) und auch Schutzdienst geübt haben. Am schönsten fand ich immer die Welpenrunde, als alle Welpen frei rumlaufen durften und man mit allen spielen und kuscheln durfte.

Aber da gab es auch etwas, was ich ganz furchtbar fand. Wir hatten immer viele Welpen und junge Hunde bei uns. Nur von den deutschen Schäferhunden, Neufundländer hatten wir immer nur eine Hündin da, die durfte bleiben, bis sie starb. Aber die Schäferhunde durften nur bleiben, wenn sie gut waren. Wenn sie hübsch waren, wenn sie auf Ausstellungen auf den vorderen Plätzen liefen, wenn sie gut im Schutzdienst waren. Wenn nicht, wurden sie wieder verkauft. Mein Vater hat immer darauf geachtet, dass die Hunde ein schönes Zuhause bekamen, aber für ein Kind war es immer wieder schwer, wenn der Hund ging. Bei Welpen war es einfacher, auch wenn diese bei uns zuhause auf die Welt gekommen sind, weil da ja schon von Anfang an klar war, dass sie ein anderes Zuhause bekamen. Und es war wundervoll, wenn die Menschen kamen um sich die Welpen anzusehen, gerade die Kinder, die sich so sehr auf das neue Familienmitglied freuten. Die durften ihren Hund für immer behalten. Ich nicht. Einmal kam mein Vater nach Hause und rief uns raus. Er hatte ohne das Wissen meiner Mutter zwei Welpen gekauft, Zwillinge. Quinte und Quecke. (Züchter müssen ihre Welpen nach dem Alphabet benennen, also je einen Wurf nach einem Buchstaben, das ist wichtig um Inzucht zu vermeiden, da für jeden Hund mit Papieren auch ein Stammbuch und Zuchtnachweis geführt wird) Quinte wurde nach drei Wochen verkauft, da sie zu schreckhaft war. Quecke war ein Jahr bei uns, dann wurde auch sie verkauft, weil sie, ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr warum. Wahrscheinlich war sie in irgendwas zu schlecht. So war das mit vielen Welpen. Ich habe immer nur gehofft, dass diese Welpen dann für immer in ihrer neuen Familie blieben und glücklich wurden.

Es gab sehr wenig Ausnahmen in diesem Ablauf, das sind die Schäferhunde, die bei uns geblieben sind, bis zum Ende. Gringo, unser Rüde, war ein absoluter Champion und ein Schatz. Er hat mich vor den Nazis beschützt, war immer da, hat mich sogar vom Bus abgeholt. Dann war da Ducky, die vor einem Jahr gestorben ist. Sie hätte mein Vater gerne verkauft, da sie extrem aggressiv auf Kinder reagiert hat, wir wussten nie warum, aber sie wurde sofort wütend, wenn sie Kinderstimmen gehört hat. Deswegen ist sie auch bei meinen Eltern geblieben, so konnte sicher gestellt werden, dass sie nie ein Kind beisst. Sie war eigentlich lieb und süß. Und Lexa. Diese Hündin musste mein Vater einmal weggeben, das hat er immer bereut. Aus unserem süßen lieben vertrauensvollen Welpen ist damals eine nervöse und wütende Hündin geworden. Wir haben alle viel Arbeit investiert, um wieder Vertrauen zu gewinnen und ihr ein schönes Leben zu geben. Als sie die Zeit weg war, hat sie Welpen bekommen und mein Vater hat mir einen geschenkt. Aber ich war schon fünfzehn und extrem vorsichtig. Mein Vater musste mir einen Vertrag unterschreiben, dass er diesen Welpen niemals verkaufen darf und nur ich Entscheidungen über sie treffen kann.

July.

Mein Welpe. Die erste, die nicht wieder verkauft wurde. Mein Hund. Ich war glücklich, dankbar, selig. Ich hab sie komplett alleine erzogen, sie brauchte eigentlich nie eine Leine, sie hörte aufs Wort. Ganz ohne Zwang, nur durch Vertrauen. Sie war mein großes Glück. Auf Ausstellungen lief sie nicht so gut, aber mir war das egal. Jeder andere Hund hätte gehen müssen, aber nicht mein Engel. Was habe ich diesen Hund geliebt. Als ich zum Studierend weit weg gehen musste, ist sie zu meiner Tante gezogen. Dort hatte sie es gut und ich habe sie immer besucht und sie hat mich immer erkannt. Als ich mit dem Bärchen schwanger war, ist sie gestorben. Und ich habe mir geschworen, dass meine Kinder niemals ihre Tiere abgeben müssen, außer natürlich aus gesundheitlichen Gründen.

Deswegen habe ich auch lange gebraucht, bis ich mich damit einverstanden erklärte, dass hier ein Hund einzieht. Denn es ist eine hundelebenslange Verpflichtung. Und ich war mir auch nicht sicher, ob ich jemals wieder einen Hund so ins Herz schließen könnte, wie meine July.

Ein Hund ist ein Familienmitglied. Er gehört fest dazu und ist nicht austauschbar. So wie unser Freddy. Wir alle lieben ihn und es ist, als ob er schon immer bei uns gewesen wäre, auch wenn er in letzter Zeit ziemlich viel anknabbert. Aber das kriegen wir auch in den Griff und ich bin froh, dass wir ihn nicht austauschen müssen und meine Kinder mit einem Hund aufwachsen, der bleibt.

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